Am Wochenende bin ich also mit ein paar Genossen zum antifaschistischen und antirassistischem Ratschlag gefahren, dessen Banner ja hier und hier schon Aufmerksamkeit auf sich zog. Dort angekommen suchte ich mir erst einmal was zu Essen, die Vornacht hatte ich nur 3 Stunden geschlafen, und mich um 10 aus dem Bett gequält. Sichtlich geschunden ging es dann zum Anfangsplenum. Nach einigen peinlichen Begrüßungsworten, in dem der Kampf um die Straße gegen Rechte Gewalt beschworen wurde, hielt Oliver Decker das Anfangsreferat über seine Studie „Vom Rand zur Mitte“ , in dem er sehr detailliert und aufschlussreich darlegte, wie und wo sich rassistische und antisemitische Denkweisen in der von der bürgerlichen Gesellschaft herbeihalluzinierten „Mitte der Gesellschaft“ finden Lassen. Die Studie aktualisierte nicht nur die Umfrageergebnisse, die eigentlich schon bekannt sind (unter anderem hier oder hier) sondern führte auch Gruppendiskussionen durch, in dem die Deutschen mal so richtig vom Leder lassen konnten, was sie schon immer sagen wollten. Oliver Decker nannte ein paar erschreckende Beispiele, redete ein wenig über die Studie, ging dann allerdings zum theoretischen und wirklich sehr kritischem Teil über. Immer wieder ließ er durchblitzen, dass auch er seine Probleme mit der bürgerlichen Gesellschaft hat, was sehr angenehm zu hören war, in einem Hörsaal voller Jungsozialisten und LINKE. Mitglieder…
Die Studie ist kann man hier downloaden.
Danach ging es erstmal shoppen, im Gang der Fachhochschule hatten verschiedene linke Organisationen Stände aufgebaut. Neben echt den Standart „Mut Gegen Rechte Gewalt“ Ständen, Antifaanleitungsheftchen und anderen Dünnereien, gab es auch einen Stand vom BiKo Erfurt, wo es unter anderem die Streifzüge und andere wertkritsiche Sachen zu kaufen gab, und einen Stand des ca iva, der auch die Bahamas verkaufte.
Ich entschloss mich, Roswitha Scholz´ Workshop beizuwohnen, in dem sie über Antiziganismus sprach. Das Referat war zwar sehr lang, und aufgrund dessen das Scholz ausschließlich vorlas, und ihren Vortrag sehr trocken gestaltete, auch sehr anstrengend, aber auch sehr Informativ. Sie kritisierte unter anderem sehr zurecht, dass in antideutschen Kreisen die Juden das Einzige als „Andere“ in der bürgerlichen Gesellschaft definierte sei, und der Antisemitismus die Reaktion darauf, währenddessen die Aversion gegen Sinti hier gar nicht thematisiert wird. Der Antiziganismus ist ebenfalls ein sehr interessantes Gebiet, an dem sich nachzeichnen lässt, zu welcher Gewalt und Ausschließung das Konstrukt Nation führt. So nehmen seit der bürgerlichen Revolution die Juden (in der bürgerlichen Ideologie) immer die Rolle der Übermacht ein, das Personifizierte Kapital, gegen dass sich das regressive Bedürfnis richtet, während die „Zigeuner“ diejenigen sind, die als Untermenschen definiert werden, Menschen also, die nicht als Bürger angesehen werden, und erst zwangskapitalisiert werden müssen. Hier verbirgt sich auch ein großer Widerspruch in der bürgerlichen Ideologie.
Diesen Vergleich brachte auch Roswitha Scholz in ihrem Vortrag ein, den ich mitgeschnitten habe, und der hier zum Downloaden gefunden werden kann:
Roswitha Scholz, Antiziganismus Antira/Antifa Ratschlag Erfurt 2008
Scholz hat zu diesem Thema auch einen Artikel geschrieben, welcher hier nachgelesen werden kann. Zum Thema Antiziganismus sei auch das Buch „Antiziganismus
Rassismus gegen Roma und Sinti im vereinigten Deutschland“ empfohlen.
zum Thema Studien
wenn dich so etwas interessiert ->
Herausgegeben von der Friedrich-Ebert-Stiftung
library.fes.de/pdf-files/do/05433.pdf
Ein Blick in die Mitte – zur Entstehung rechtsextremer und demokratischer Einstellungen in Deutschland.
das is das ding, dass ich auch verlinkt habe…